Stromkosten in Ungarn
Die unterschätzte Kostenfalle für Auswanderer
Wer nach Ungarn auswandert, hört es ständig: „Strom ist hier viel billiger als in Deutschland.“ Und ja – bis zu einem gewissen Punkt stimmt das. Aber genau dieser Punkt ist der Knackpunkt. Viele merken es erst, wenn die erste Stromabrechnung ins Haus flattert und plötzlich hohe fünf- oder sechsstellige Forintbeträge im Raum stehen – Monat für Monat.
Die gute Nachricht: Den Rechenweg, konkrete Beispiele für Stromkosten in Ungarn, eine Tabelle nach Energiekennwert und einen Rechner für deine tatsächlichen Energiekosten findest du bereits detailliert hier: Zur Seite „Stromkosten in Ungarn selbst berechnen“
In diesem Artikel geht es deshalb nicht um Formeln, sondern um etwas anderes: um das Gebäude selbst. Um typische Schwachstellen ungarischer Häuser, um fehlende Dämmung, alte Fenster, fragwürdige Heizlösungen – und um die Frage, was auf Dauer wirklich günstiger ist: Gas, Elektro, Fußbodenheizung oder Holz.
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Altbau in Ungarn: Schnäppchen mit eingebauter Stromfalle
Viele Auswanderer verlieben sich auf den ersten Blick in ein charmantes Dorfhaus: dicke Wände, hoher Giebel, großer Garten, Scheune inklusive. Der Kaufpreis ist erstaunlich niedrig, die Euphorie groß.
Was in diesem Moment kaum jemand sehen will: Die meisten dieser Häuser stammen aus einer Zeit, in der niemand von Energiekennwerten, Luftdichtheit oder Wärmedämmverbundsystemen gesprochen hat. Der Energieausweis existiert zwar oft auf dem Papier – aber energetisch ist das Gebäude im 21. Jahrhundert nie wirklich angekommen.
Typische Realität:
- keine oder nur minimale Außenwanddämmung,
- ungedämmtes Dach oder Dachboden,
- Einfach- oder alte Doppelfenster mit schlechter Dichtung,
- Bodenplatte ohne Dämmung, eiskalte Böden im Winter,
- elektrische Boiler, Nachtspeicher, einfache Konvektoren,
- provisorisch nachgerüstete Heizungen, häufig auf Strombasis.
Auf dem Papier sieht das Haus gut aus – 100 m² für den Preis einer Garage in Deutschland. Auf der Energierechnung zeigt sich dann der wahre Kaufpreis.
Der erste Winter: „Wir überbrücken das mit Elektroheizkörpern“
Ein Muster wiederholt sich bei vielen Neuankömmlingen immer wieder:
Man kauft das Haus im Frühjahr oder Sommer. Es ist warm, alles wirkt freundlich, trocken, angenehm. Die Heizung interessiert kaum jemanden – man hat andere Themen.
Dann kommt der Herbst. Das vorhandene Heizsystem ist alt, unübersichtlich oder nicht vertrauenswürdig. Also sagt man sich: „Für den ersten Winter nehmen wir einfach ein paar Elektroheizkörper, das überbrücken wir schon.“
Und tatsächlich: Die Geräte sind schnell gekauft, in jede Steckdose passt einer. Die Räume werden halbwegs warm, vor allem, wenn man nur Teilflächen heizt. Viele erzählen später:
„Wir haben ja maximal 40 Quadratmeter mit Strom geheizt, das kann doch nicht so viel gewesen sein.“
Doch man kann fast die Uhr danach stellen:
Spätestens wenn der Versorger im Frühjahr den Zählerstand abliest und die erste echte Stromabrechnung kommt, folgt das böse Erwachen.
Die Rechnung ist dann nicht „ein bisschen höher“, sondern oft drastisch. Nicht selten übersteigen die Stromkosten in Ungarn pro Monat locker das, was man aus Deutschland gewohnt war – obwohl man doch nur ein paar Elektroöfen laufen hatte.
Der Grund ist simpel: Elektroheizkörper arbeiten zwar technisch korrekt, aber sie kämpfen in einem energetisch schlechten Haus gegen eine Wand aus Kälte an – im wahrsten Sinn des Wortes.
Heizen ohne Dämmung: Wenn man den Garten mitwärmt
Gerade bei älteren Dorfhäusern kommt dann ans Licht, was vorher niemand sehen wollte:
- Der Fußboden ist ungedämmt. Kalte Bodenplatte, eventuell sogar direkt auf Erdreich.
- Die Wände sind nicht gedämmt. Massives Mauerwerk, aber ohne Wärmeschutz.
- Das Dach ist nur minimal oder gar nicht isoliert.
- Die Fenster sind alt und undicht.
Kurz gesagt: Man heizt nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch gleich die Umgebung – den Vorgarten, die Hofeinfahrt, den Nachthimmel. Je schlechter die Dämmung, desto länger läuft jeder Heizkörper. Und jeder Heizkörper, der länger läuft, treibt den Verbrauch nach oben – völlig unabhängig davon, ob er nur 40 Quadratmeter bedient oder nicht.
Viele Auswanderer machen diese Erfahrung im ersten Winter – und der Schock sitzt tief. Genau hier beginnt der Punkt, an dem man Gebäude in Ungarn nicht mehr romantisch, sondern nüchtern betrachten sollte.
Gas oder Strom? Die ungeschönte Wahrheit
Eine der häufigsten Fragen von Hauskäufern lautet: „Was ist günstiger: Gasheizung oder elektrische Fußbodenheizung?“
Die kurze, ehrliche Antwort: In den meisten ungedämmten Altbauten ist reine Elektroheizung eine Kostenfalle.
Gasheizung – oft die vernünftigste Lösung im Bestand
Ungarische Gaspreise unterliegen ebenfalls staatlichen Regelungen, dennoch lässt sich klar sagen:
- Gasheizungen arbeiten – richtig dimensioniert und eingestellt – meist deutlich günstiger als reine Stromheizungen.
- Zentralheizsysteme mit Radiatoren oder wassergeführter Fußbodenheizung auf Gasbasis sind für dauerhafte Wohnnutzung häufig die wirtschaftlichere Variante.
- Die Technik ist bewährt, Ersatzteile sind verfügbar, Handwerker kennen sich damit aus.
Problem: Nicht jede Straße, nicht jedes Dorf verfügt über eine Gasleitung, vor allem in ländlichen Regionen. Wer „idyllisch abgelegen“ kauft, landet deshalb häufig bei Strom oder Holz – mit allen Konsequenzen.

Stromkosten in Ungarn - Fussbodenheizung
Elektrische Fußbodenheizung – billig im Einbau, teuer im Betrieb
Fußbodenheizung klingt zunächst nach Komfort. Bei Sanierungen greifen viele zu elektrischen Heizmatten unter den Fliesen, weil kein Rohrsystem erforderlich ist, kein Heizraum und kein Gasanschluss nötig sind und der Einbau vergleichsweise günstig wirkt.
Doch die Stromrechnung erzählt später eine andere Geschichte. Die elektrische Fußbodenheizung läuft vollständig auf Haushaltsstrom. In einem schlecht gedämmten Haus muss sie viel und lange heizen, um die Räume angenehm warm zu halten. Spätestens wenn man über das staatlich begünstigte Stromkontingent hinaus ist, wird jede weitere Kilowattstunde teuer.
Hinzu kommt ein gesundheitlicher Aspekt, den viele erst im Alltag bemerken: Nicht jeder verträgt die gleichmäßige, intensive Wärme von unten. Manche klagen über ständig warme, schwere Beine oder Kreislaufprobleme. Gerade ältere Menschen empfinden einen zu heißen Fußboden als unangenehm – und drehen das System dann wieder herunter, obwohl sie viel Geld dafür bezahlt haben.
Kurz gesagt: Elektrische Fußbodenheizung kann als Hauptheizung in einem ungedämmten ungarischen Haus langfristig sehr teuer werden – finanziell und körperlich.
Infrarotpaneele und Elektroheizkörper
– die vermeintlich flexible Lösung
Moderne Infrarotpaneele und Design-Heizkörper haben einen guten Ruf: Sie sind schnell montiert, sehen schick aus und liefern angenehme Strahlungswärme.
Aber auch hier gilt: Sie sind technisch effizient – nur der Strom, den sie verbrauchen, ist es oft nicht. Besonders dann nicht, wenn die Dämmqualität des Hauses schlecht ist und die Geräte während der gesamten Heizperiode fast durchlaufen.
Als Ergänzung, zum Beispiel für ein selten genutztes Gästezimmer oder das Bad, können sie sinnvoll sein. Als alleinige Heizung in einem energetisch schlechten Gebäude treiben sie die Stromkosten in Ungarn jedoch zuverlässig in die Höhe.
Holzheizung
Romantisch und oft günstiger – aber nicht für jeden
Holz hat in Ungarn Tradition. Kachelöfen, gemauerte Küchenherde oder einfache Kaminöfen gehören zum gewohnten Dorfbild.
Vorteile von Holz
- In vielen Regionen ist Brennholz günstiger als Strom oder Gas.
- Wer selbst Bäume hat oder Holz günstig bekommt, kann seine Heizkosten stark senken.
- Strahlungswärme aus einem Ofen wird als besonders angenehm empfunden.
Nachteile von Holz
- Holz macht Arbeit: schlagen, sägen, spalten, lagern, tragen.
- Schmutz, Staub und Asche im Haus sind Alltag.
- Die Raumtemperatur schwankt stärker als bei vollautomatischen Heizungssystemen.
- Im Alter oder bei gesundheitlichen Problemen wird die Holzheizung leicht zur Belastung.
Viele Haushalte nutzen Holz deshalb als ergänzende Wärmequelle: Gasheizung plus Kamin, Wärmepumpe plus Kachelofen. Im Idealfall reduziert Holz die Energiekosten, ersetzt aber die Grundversorgung nicht vollständig.
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Kombinationen statt Entweder-Oder
Die Praxis in ungarischen Häusern sieht heute meist so aus:
- Gasheizung und Holzofen im Hauptwohnraum,
- Gas oder Holz plus Klimaanlage mit Heizmodus in der Übergangszeit,
- Holzofen plus elektrische Notheizung in Bad und Schlafzimmer,
- Wärmepumpe plus Kamin als Backup bei extremen Temperaturen.
Sinnvoll ist eine Mischung, die eine verlässliche Grundwärme bietet (zum Beispiel Gas oder Wärmepumpe), mit einem Ofen oder Kamin Spitzen abfängt und Gemütlichkeit bringt und dich nicht vollständig von einer einzigen Energiequelle abhängig macht.
Wer ein Haus mit Gasanschluss, gutem Kamin und zumindest solider Dämmung findet, ist langfristig oft besser dran als jemand mit „moderner“ Vollstromlösung in einem energetisch schwachen Altbau.
Außendämmung bei Lehmhäusern
sensibel sanieren statt zukleistern
Ein Spezialthema, das viele Auswanderer unterschätzen, sind Lehmhäuser. Diese traditionellen Gebäude haben ein wunderbares Raumklima: Sie regulieren Feuchtigkeit, sind im Sommer angenehm kühl und wirken im Winter, bei passender Beheizung, gemütlich.
Problematisch wird es, wenn man sie mit denselben Methoden dämmt wie ein modernes Ziegelhaus. Lehmwände müssen „atmen“ können. Eine falsche Außendämmung – etwa dichter Polystyrolputz ohne Diffusionsfähigkeit – kann dazu führen, dass Feuchtigkeit in der Wand eingeschlossen wird, sich Schimmel bildet und das Tragwerk langfristig geschädigt wird.
Wer ein Lehmhaus besitzt und energetisch verbessern möchte, sollte sich unbedingt mit Fachleuten abstimmen, die sich mit traditioneller Bauweise auskennen.
Mögliche Ansätze sind zum Beispiel:
- diffusionsoffene Außendämmung, etwa mit Holzfaserplatten,
- sorgfältig geplante Innendämmung mit kapillaraktiven Materialien,
- optimierte Fenster sowie Dach- und Deckendämmung, bevor man die Außenwand massiv verändert.
Viele Fehler entstehen, weil übliche Standardlösungen unüberlegt auf Lehmhäuser übertragen werden. Das Ergebnis sind dann zwar optisch neue Fassaden, energetisch aber keine Wunder – im schlimmsten Fall sogar Bauschäden.
Die oft unterschätzte Stellschraube
Dämmung vor Gerätewechsel
Eine neue Therme, ein schicker Kamin oder moderne Paneelheizkörper sind greifbar und sichtbar. Aber: Die größte Hebelwirkung liegt fast immer in der Gebäudehülle.
Die sinnvolle Reihenfolge sieht in vielen Fällen so aus:
- Dach- oder Dachbodendämmung verbessern: Relativ einfach nachzurüsten, mit spürbarer Wirkung bei Hitze und Kälte.
- Fenster und Türen erneuern oder abdichten: Moderne, gut eingebaute Fenster verhindern Zugluft und reduzieren Wärmeverluste deutlich.
- Außenwände energetisch verbessern: Bei Ziegelhäusern durch passende Dämmung, bei Lehmhäusern mit besonderer Sorgfalt und Fachwissen.
- Fußbodendämmung oder Kellerdeckendämmung: Wichtig, wenn der Boden im Winter „zieht“ und die Füße ständig kalt sind.
Erst wenn das Haus selbst weniger Energie verliert, lohnt sich eine aufwendige Debatte um das ideale Heizsystem. Jede Kilowattstunde, die man nicht verheizen muss, muss man auch nicht bezahlen.
Infobox: H-Tarif (Heizstrom) in Ungarn
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Zeitraum: Gültig nur in der Heizperiode vom 15.10. bis 15.04., außerhalb dieser Zeit automatische Abrechnung zum Standardtarif A1.
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Wer kann ihn nutzen? Nur für universelle Stromkunden (Haushalte in der allgemeinen Versorgung).
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Technische Voraussetzungen:
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Separater Stromzähler nur für die Heizung (Heizgeräte dürfen nicht am Haupttarif hängen).
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Heizsystem: Wärmepumpe oder erneuerbare-Energie-Heizung mit SCOP ≥ 3,4 (mind. 3,4 kW Wärme je 1 kW Strom).
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Beantragung:
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Antrag beim regionalen Versorger (z. B. E.ON, MVM, ELMŰ) mit Bedarfsanmeldung, Messstellen-Nachweis und Installateur-Nyilatkozat.
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Der Installateur hilft beim Ausfüllen und Nachweisen der Geräte.
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Kosten Einrichtung: ca. 300.000–600.000 HUF (≈ 750–1.500 €), abhängig von Versorger und technischem Aufwand.
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Stromkosten in Ungarn realistisch sehen – nicht schönreden
Ob du mit 80 m², 120 m² oder mehr planst – die energetische Qualität des Hauses entscheidet maßgeblich darüber, wie hoch deine Stromkosten in Ungarn am Ende ausfallen.
Die wichtigsten Punkte in Kürze:
- Elektroheizkörper als „Übergangslösung“ im ersten Winter führen fast immer zu unangenehmen Überraschungen bei der ersten echten Abrechnung.
- In schlecht gedämmten Häusern heizt man ohne Maßnahmen schlicht Richtung Straße und Garten.
- Gasheizung ist im Bestand häufig die vernünftigere Wahl, sofern verfügbar.
- Elektrische Fußbodenheizung ist billig einzubauen, aber in vielen Fällen teuer im Betrieb – und nicht jeder verträgt die dauerhaft warme Beinzone.
- Holzheizung kann sich lohnen, erfordert aber Arbeit und Organisation.
- Lehmhäuser brauchen spezielle, diffusionsoffene Lösungen – eine falsche Außendämmung kann mehr schaden als nützen.
- Dämmung von Dach, Fenstern, Außenwänden und Böden spart oft mehr Geld als jede neue „tolle“ Heiztechnik.
Die genauen Rechenwege, Beispieltabellen und ein praktischer Rechner, mit dem du deine voraussichtlichen Kosten realistisch einschätzen kannst, findest du hier:
Stromkosten in Ungarn selbst berechnen – Tabelle und Rechner
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